Leben in der Solarsiedlung

Bienenhonig "Made im Sonnenhof"

Vor gut fünf Jahren haben wir uns auf den Weg gemacht. Eigene Bienen in der Stadt. Und dann auch noch im eigenen Garten. Was zunächst recht idyllisch klang, ist inzwischen arbeitsreiche Realität. Jedes Jahr vier bis fünf Völker auf dem Dach einer Garage im Sonnenhof. Das macht rund 200.00 kleine Nachbarn, die im Sommer ausschwärmen, bei den Teichen in den Sonnenhof-Gärten ihre Mägen mit Wasser füllen und sich dann auf die Suche nach den Blüten machen.



Im Umkreis von drei Kilometern ist keine Blume vor ihnen sicher. Bienen steigern den Ertrag von Obstbäumen, Beerensträuchern und zahlreichen Gemüsearten. In vielen anderen Ländern werden Imker deshalb von Bauern und Obstproduzenten bezahlt. Bei uns müssen die Imker Geld mitbringen, wenn sie Bienen halten und kultivieren wollen. Versicherungen, Zertifikate und nicht zuletzt die Ausstattung kosten gefühlt ein kleines Vermögen.

Bienen mitten im Ruhrgebiet. Vor zwanzig Jahren hätten noch alle gedacht, dass die Kohlenstaub statt Blütennektar sammeln. Auch hier zeigt sich mal wieder, dass wir oft keine Ahnung davon haben, wie vielfältig und bunt ein Leben in der Stadt sein kann. Bienen geht es hier nämlich besonders gut, und der Honig ist oft von sehr hoher Qualität. Draußen auf dem Land ist Angebot für die Bienen begrenzt durch Monokultur und diverse Gifte, die uns als Pflanzenschutz verkauft werden. Im heimischen Garten spritzt kaum jemand Gifte und auch die kommunalen Grünanlagen sind weitgehend giftfrei, weil sie keinen Ertrag abwerfen müssen. Wer will schon Gift im eigenen Garten oder vor der eigenen Haustür?

Zweimal im Jahr wird - wenn mal alles gut gegangen ist - geschleudert. So wie es klingt, ist es auch: In einem riesigen Behälter werden die Waben mit Zentrifugalkräften vom Honig befreit. Der wird dann gesiebt und in Gläsern abgefüllt. Im Frühjahr stürzen sich die Bienen zunächst auf die Gourmet-Robinien in der Marschallstrasse, was den bekannten Akazienhonig zur Folge hat. Wir haben diesen Honig kurzerhand "Frühlingsblüte" genannt. Genau wie Akazienhonig ist er hell von der Farbe und flüssig in der Konsistenz. Der Sommerblütenhonig - in aller Bescheidenheit "Sommerpracht" genannt - wird stark von den Lindenblüten aus dem Grünweg dominiert. Darin steckt aber auch die Vielfalt der Sommerblumen in den Gärten und öffentlichen Grünanlagen rund um die Solarsiedlung. Auch die Wildrosen an der Ev.Gesamtschule stecken geschmacklich in jedem Glas.

Im ersten Jahr mit Bienen im Sonnenhof hatte es zunächst einige Bedenken gegeben. "Sind das Killerbienen?", " was ist, wenn jemand gestochen wird und eine Allergie hat?", kann man denn jetzt noch in Ruhe auf der Terasse sitzen?" waren laut und leise gestellte Fragen im Umfeld. Dabei werden Bienen oft in einen Topf geworfen mit Wespen, die sich immer wieder als aggressive Plagegeister entpuppen. Bienen sind da ganz anders. Sie haben kein Interesse an Fruchtsaft, Limonade oder Grillwürstchen. Blumen und deren Blüten sind alles, was sie interessiert. In der direkten Umgebung hat es daher kaum einen Stich gegeben. Nur wir Imkerinnen, die regelmäßig die Völker kontrollieren müssen, ziehen sich den Unmut der gestreiften Pollensammlerinnen zu. Da gibt es schon mal die eine oder andere unfreiwillige "Injektion". Soll ja seeehr gesund sein. Insgesamt sind die Bienen aber schnell als Nachbarn akzeptiert worden und haben schon für viele interessante Gespräche und schöne Anekdoten gesorgt.

Die Nachfrage nach Honig aus dem Sonnenhof übersteigt bislang noch das Angebot. Das liegt leider auch an einigen großen Winterverlusten, die wir immer mal wieder zu beklagen hatten. Geschwächt durch eine weit verbreitete Milbe - Varroa für die besonders interessierten Leser/innen - haben rund drei Viertel der Völker die letzten harten Winter leider nicht überstanden. Da heißt es dann wieder: investieren, investieren , investieren. Neue Bienen kaufen. Ableger ziehen und Schwärme einfangen.

Apropos Schwärme. Daniel, unser direkter Hausnachbar war Zeuge eines echten Naturschauspiels. Am Mittag - er war gerade mal kurz zwischendurch zuhause - verdunkelte sich aus zunächst nicht ersichtlichen Gründen der Himmel über dem Sonnenhof. Rund 30.000 Bienen hatten sich auf den Weg gemacht, um sich mit ihrer Königin ein neues Heim zu suchen. Der Sammelpunkt war genau über seiner Garage. Von da aus schwärmten sie in einen Baum, um sich dort rund um ihre Herrscherin in einer Traube niederzulassen. Ein Bienenschwarm ist nichts, wovor man Angst haben muss. Wer mal einen sieht, kann uns Bescheid sagen. Wir kommen gern und holen ihn ab.

So ein Bienenjahr ist auch für Imkerinnen kein Zuckerschlecken. Im Frühjahr werden die Völker durchgesehen, um die Größe und damit die Überlebensfähigkeit der Bienen einzuschätzen. Dann werden die Honigräume aufgesetzt. Hier werden die Waben mit Honig gefüllt und gelagert. Dann muss auch schon erstmalig geschleudert werden. Ein voller Honigraum wiegt etwa 20 kg. Im Frühsommer wird dann alle zehn Tage nachgesehen, ob sich die Bienen in Schwarmstimmung befinden. Das Herausschneiden von den so genannten Weiselzellen (Larven junger Königinnen) verhindert die Schwarmbildung. Im Sommer wird ein zweites Mal geschleudert. Danach gibt es Winterfutter und eine Behandlung gegen die Milbe, die uns schon so viele Bienenvölker gekostet hat. Ab Spätherbst werden die Bienen dann in Ruhe gelassen. Die Imkerinnen sind den Winter über mit Verkauf und Putzen beschäftigt.



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